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Leben mit neurogener Blase
Eine neurogene Blasenfunktionsstörung wie die Detrusor-Überaktivität (NDO) kann verschiedene Begleitprobleme wie Darmverstopfung oder auch Komplikationen wie Harnwegsinfekte oder eine Nierenschädigung mit sich bringen. 1,2
Darmfunktionsstörung
Eine Nervenschädigung des Rückenmarks ist häufig nicht auf die Harnblase durch eine neurogene Funktionsstörung beschränkt, sondern betrifft oft auch die Darmfunktion. Dann können die Muskeln, die für die Darmbewegung zuständig sind, nicht mehr richtig arbeiten, und es kommt zur Verstopfung (Obstipation). Verstärkt wird dies oft noch durch einen Bewegungsmangel, durch die Rückenmarksschädigung, sowie durch Medikamente oder Flüssigkeitsmangel.
Harnwegsinfekte
Patient:innen mit neurogener Blase haben ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfektionen. Denn bei unvollständiger Entleerung der Harnblase bleibt Harn in der Harnblase zurück, der sogenannte Restharn. Dieser ist ein idealer Nährboden für Bakterien. Auch eine nicht keimfreie Selbstkatheterisierung oder die Verwendung eines Dauerkatheters können zu wiederkehrenden Infektionen der Harnwege und der Harnblase (Zystitis) führen.
Symptome
Oft fehlen bei einer neurogenen Blase die typischen Symptome einer Harnwegsinfektion wie Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen.
Achten Sie daher auf die folgenden Anzeichen:
Trüber oder übelriechender Urin
Allgemeines Unwohlsein, Bauchschmerzen
Fieber oder Schüttelfrost
Veränderter Harndrang oder Katheterfluss
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Behandlung und Vorbeugung
Bei Verdacht auf einen Harnwegsinfekt (HWI) wird Ihr Harn untersucht, und wenn sich Bakterien nachweisen lassen, mit Antibiotika behandelt. Das Hauptziel der Behandlung ist neben der Beseitigung Ihrer Beschwerden die Vermeidung einer chronischen Harnwegsinfektion (rezidivierende HWI) und einer Nierenschädigung.
Zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten werden die folgenden Maßnahmen empfohlen:
Ausreichende und geregelte, über den Tag möglichst gleichmäßig verteilte Flüssigkeitszufuhr
Regelmäßige, restharnfreie Blasenentleerung
Vermeidung von Verstopfung
Auch eine nicht optimal behandelte Blasenfunktionsstörung kann Ursache für wiederkehrende Harnwegsinfektionen sein. Wenn Sie unter wiederkehrenden Harnwegsinfektionen leiden, empfiehlt sich eine Überprüfung der Medikation sowie der Kathetertechnik und eine erneute urodynamische Untersuchung.
Die keimfreie (aseptische) Durchführung der intermittierenden Selbstkatheterisierung (ISK) wird im Kapitel Blasenmanagement bei neurogener Blase in den Abschnitten Durchführung und Hygiene dargestellt.
Nierenschädigung
Wenn nach dem Wasserlassen in der Harnblase kontinuierlich zu viel Harn zurückbleibt (Restharn) und sich Keime (Bakterien) in der Blase ansiedeln, besteht die Gefahr, dass diese über die Harnleiter (Ureter) in die Nieren aufsteigen und Infektionen hervorrufen. Dies kann auch der Fall sein, wenn sich durch die neurogene Blasenfunktionsstörung zu viel Harn in der Blase sammelt. Wenn dieser nicht (rechtzeitig) bemerkt und die Blase nicht entleert wird entwickelt sich ein zu hoher Druck in der Blase. Der Harn staut sich dann zurück in die Nieren (vesikoureteraler Reflux), was zu einer Schädigung des Nierengewebes oder zu Niereninfektionen (Pyelonephritis) führen kann. Daher ist es bei einer neurogenen Blase so wichtig, die Bildung von Restharn und einen Rückstau zu verhindern und die Nieren regelmäßig zu untersuchen.
Therapieeinstellung
Für die Behandlung der neurogenen Blase gibt es keine Pauschallösung – die Therapie wird gemeinsam mit Ihrem behandelnden Arzt/Ihrer Ärztin erarbeitet und individuell auf Ihre Situation abgestimmt. Deswegen kann es auch manchmal etwas dauern, bis Ihr Arzt/Ihre Ärztin die für Sie passende Kombination mehrerer Therapien findet. Am Anfang steht meistens die Verschreibung von Medikamenten, die den Blasendruck senken. Parallel dazu wird die für Sie geeignete Methode der Blasenentleerung mithilfe der Katheterisierung gesucht.
Referenzen
1 van Ophoven A. Diagnose und Therapie neurogener Blasenfunktionsstörungen. CME-Verlag 2024; 1-16
2 EAU Guidelines on Neuro-Urology. Edn. presented at the EAU Annual Congress Madrid 2025. ISBN 978-94-92671-29-2
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